Archiv für 5. Dezember 2008

05
Dez
08

Die Octopus-Connection

Der Fluch der Unfrohen…

Wer hat sich nicht schon darüber gewundert, warum es mit bestimmten Menschen einfach nicht möglich ist, gesund zu kommunizieren, eine Bekanntschaft zu pflegen, die ohne beschädigende Säure auskommt, oder Beziehungen einzugehen, die mehr bereichern als stets schmerzreich enden ? Was macht gewisse Menschen so unerfreulich ? Im letzten Attribut liegt bereits ein Hinweis, denn man wird feststellen, dass es sich hauptsächlich um unfrohe Menschen handelt.

Lässt man sich mit ihnen ein, wird man automatisch zum Bestandteil ihrer Unfrohheit, wodurch immer sich diese nähren mag. Einmal erfasst vom Tentakel ihres Antriebssystems, wird man gelegentlich gewahr, dass es einem solchen Unfroh-Menschen nach einer Weile wiederum gelungen ist, einem Energie abzuziehen, obwohl er sich die meiste Zeit sogar froh gezeigt hat. Haben diese Menschen ein Energieproblem ? Macht unfroh sein bedürftig ?

Das Unfroh-Sein scheint allerdings eher ein Bedürfnis zu sein, dem sich der andere gefälligst anschließen soll. Tut er es nicht, wird der Octopus schon dafür sorgen, dass dem andern eines Tages der Frohsinn vergeht. Octopus hat es nämlich drauf, anderen nicht nur die Laune systematisch zu vermiesen, sondern sogar das Leben anderer zu beschädigen. Ihm fehlt es vor allem an Emotionen, so man davon ausgeht, dass Unfroh-Sein keine Emotion, sondern ein Folge der Krankheit ist, die sich durch gänzliches Fehlen von Emotion auszeichnet. Der Octopus wird besonders dann unfroh, wenn er sich Menschen mit gut funktionierenden Emotionen gegenüber sieht. Das wurmt ihn, und er studiert das, was er nicht besitzt : deren Emotionen. Er imitiert, – ohne jenen inneren Bezug, den echtes Gefühl verlangt -, das Emotionsverhalten der anderen und lernt dabei, wie es funktioniert, bzw. wie und wann es wirkungsvoll einzusetzen sei. So schützen sich Psychopathen davor, als solche erkannt zu werden. Sie täuschen Reue vor, wo keine besteht, Mitleid, wo dieses grundsätzlich schweigt, Begeisterung, wo eine solche nie erfahren wurde. Der Richter soll ihm glauben. Psychologen tun es auch. Und unsereins glaubt ihm sowieso.

Liebe ? Ein Mensch ohne Einsicht, ohne Emotionen, ohne Respekt vor der Individualkultur eines anderen Menschen ist bestenfalls zu negativen Ausprägungen emotionsähnlicher Befindlichkeiten fähig, wobei Hass, Rache, Neid und Gier keine Emotionen, sondern eher Triebstimmungen sind. Visualisiert man das globale Vorhandensein von Kriegen, Bankrotten, Gewaltexzessen und Massenmorden, ist man geneigt, eine Überpräsenz von psychopathischen Octopussen zu vermuten. Dem ist aber gar nicht so – es sind nur jeweils eine handvoll Gestalten und deren Nutznießer, die derartige Lenkkräfte zu erzeugen vermögen. Einer handvoll Bankern und Brookern gelingt ein globaler Börsencrash, das Zusammenspiel eines kleinen Quartetts genügt oft, einen kriegerischen Flächenbrand zu entfachen, einem einzigen Scharlatan ist es gegeben, einen ganzen Staat zugrunde zu richten, etc..

Was ist das “Reizvolle” an diesen Psychopathen ? Ihre Emotionslosigkeit ? Ihre gigantische Verstellungskunst ? Ihr kompensativer Charme, der andere in ihren Bann zieht ? Ist es das äußerst raffinierte Überspielen ihrer inneren Unfrohheit durch Verhaltenseigenschaften und Botschaften, die vermeintlichen Frohsinn erzeugen sollen und es offenbar sogar tun ? Ist es die Lüge, die in ihnen chronisch triebfedert und deren operatives Verbergen ihnen sämtliche Vitalenergien abverlangt, wodurch sie wiederum so aktiv und selbstbewusst erscheinen ? Aus welchem Holz sind die emotionalen Betrüger geschnitzt, die hochprofessionellen MilliardärInnen mehrstellige Millionenbeträge entlocken ?

Ist es unsere Einsamkeit, die in uns eine Affinität zu solchen vermeintlich starken Geschöpfen erzeugt ? Schwäche, Gefühllosigkeit, Tarnung, Intransparenz, Manipulation, Betrug und Lüge – dieses Spektrum formt sich im psychopathischen Charakter zusammen, und es verwundert sehr, dass wir darauf immer wieder hereinfallen, im Großen wie im Kleinen. Ihm opfern wir unsere Stärke, unser Selbstvertrauen, unsere Aufrichtigkeit, Offenheit und Liebesbereitschaft, ordnen unsere Integrität dem Spektrum der Lügner und Betrüger unter, auf dass es uns oft nachhaltig beschädige. Ob wir zur Wahl gehen oder uns von der Wurstverkäuferin über den Tisch ziehen lassen : Octopoden sind zwar reich an der Zahl, doch wir sind ungleich mehr. Dennoch lassen wir uns besiegen und an den Rand drücken, lassen uns entwerten, entwürdigen und beschimpfen. Lassen und unfroh machen von der Gewissenlosigkeit einer hungrigen Spezies.

Wann kommt (für uns) der Tag, böse Miene zum bösen Spiel zu machen ? Ich probe schon.




Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.